Aktuelles

Fütterungsstudie mit gv-Mais

 

Kritische Anmerkungen zur Séralini-Langzeitfütterungsstudie aus dem Jahr 2012

 

Die Gentechnik, die Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse aus der Gentechnologie/ Molekularbiologie in Produkte, hat in vielen Wirtschafts- und Lebensbereichen Eingang gefunden. Allerdings wird in Europa und speziell in Deutschland unter dem Begriff „Gentechnik“ fast ausschließlich „Grüne Gentechnik“ verstanden. Heute wird unter allen anderen Anwendungen fast ausschließlich die Grüne Gentechnik als gefährlich und unnötig angesehen. Profunde wissenschaftliche Erkenntnisse werden kaum noch berücksichtigt, dafür werden aber spekulative Vermutungen und wissenschaftlich nicht haltbare Behauptungen zum Maßstab des Handelns.

 

 

 

Klaus-Dieter Jany

 

 

Séralini et al. veröffentlichten im September 2012 eine Langzeitfütterungsstudie an Ratten mit gentechnisch verändertem (gv) Mais NK 603 und mit Roundup-Formulierungen in der Zeitschrift „Food and Chemical Toxicology“. Ihre Untersuchungsergebnisse sind besorgniserregend: Durch die Aufnahme von gv-Mais NK 603 und/oder Roundup-Formulierungen sterben Ratten früher und in höherer Rate und entwickeln früher und vermehrt Tumore. Diese Befunde treten vornehmlich erst nach mehr als 90 Tagen Fütterung auf. Aber gerade 90-Tage-Fütterungsstudien werden zur Sicherheitsbewertung von gv-Produkten und gv-Pflanzen herangezogen. Der gv-Mais NK 603 wurde von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als genauso sicher bewertet wie konventioneller Mais und von der EU-Kommission 2004 als Futtermittel und 2005 als Lebensmittel zur Vermarktung zugelassen. Hier stellt sich die Frage, ob die Zulassungen auf einer nicht hinreichenden oder gar falschen Sicherheitsbewertung durch die EFSA erfolgten.

Die Ergebnisse aus der Langzeitfütterungsstudie erregten sowohl großes mediales Aufsehen als auch Interesse bei NGOs und in der Wissenschaft. Gentechnikkritiker und -gegner sahen hier allein ergebnisgetrieben den lang ersehnten wissenschaftlichen Beweis für die Bedenklichkeit von Lebensmitteln aus gentechnisch veränderten Organismen (GVO). Gesundheitsgefährdende Lebensmittel dürfen aber nicht in Verkehr gebracht werden, sie müssen deshalb verboten werden. Vertreter der Wissenschaft waren schockiert, dass ein Manuskript trotz zweimaliger Begutachtung mit solch gravierenden methodischen Mängeln und fehlenden Daten, die die aufgestellten Behauptungen zur erhöhten Krebsrate und den vorzeitigen Todesfällen belegen sollten, überhaupt zur Publikation angenommen werden konnte. Das Vertrauen in das Gutachtersystem bzw. in die Fachkompetenz der Gutachter der Zeitschrift „Food and Chemical Toxicology“ war erschüttert, wie zahlreiche „Letters to the editor“ (19 Briefe) aufzeigen.

In diesem Beitrag werden die Unzulänglichkeiten in den Untersuchungen von Séralini et al. aufgezeigt und ihre Implikationen hinsichtlich der Risikobewertung von gv-Mais NK 603 und Roundup-Formulierungen diskutiert.

Zur Vermeidung von Verwechslungen werden Abbildungen und Tabellen aus der Séralini-Studie mit arabischen, die aus der vorliegenden Veröffentlichung mit römischen Zahlen aufgeführt. 

 

 

 

Toxikologische Untersuchungen von Lebensmitteln in Tierfütterungsversuchen

 

Lebensmittel als Ganzes wurden in der Vergangenheit aufgrund ihrer Komplexität (große Anzahl bekannter und unbekannter Inhaltsstoffe) nur selten hinsichtlich ihrer Sicherheit toxikologisch bewertet. Mit Einführung der Lebensmittelbestrahlung änderte sich dies zunehmend. Zur Abklärung möglicher strahlungsbedingter toxischer Effekte wurden entsprechende Tierfütterungsversuche durchgeführt. Solche Untersuchungen finden nun ihre Fortsetzungen für die Risikobewertungen von „Novel Food“ (z. B. neue Technologien in der Lebensmittelverarbeitung) und von transgenen Pflanzen und daraus hergestellten Lebensmitteln (Transfer von Genen, unerwartete Effekte). Die Probleme, die bereits bei den Fütterungsversuchen mit „bestrahlten“ Lebensmitteln bestanden, bestehen auch heute noch. Sie sind durch die Physiologie der Tiere und die Komplexität des Stoffes „Lebensmittel“ bedingt. Für Untersuchungen zur der Toxizität von Einzelsubstanzen (z. B. Aromen, Farb- und Zusatzstoffe) liegen große Erfahrungen vor. Bei diesen meist chemisch definierten Stoffen können leicht hinreichend große Mengen der Standarddiät hinzugefügt werden, ohne dass der Nährwert der Versuchsdiät verändert wird und es zu Ernährungsimbalanzen kommt. Ernährungsabhängige Effekte können weitgehend ausgeschlossen werden. Beobachtete/gemessene Veränderungen lassen sich meist eindeutig auf die Testsubstanz zurückführen und häufig lassen sich Stoffwechselwege gut verfolgen. Aufgrund der einsetzbaren, sehr unterschiedlichen Dosen lassen sich Dosis-Wirkungsbeziehungen erkennen. Über die eingesetzten Dosen und die beobachteten Effekte lassen sich wichtige Stoffparameter (z. B. NOEL) ableiten. Ganz anders bei den komplex zusammengesetzten Lebensmitteln. Sie enthalten sehr viele unterschiedliche Makro- und Mikrostoffe. Daher sind genaue und umfassende stoffliche Analysen des Test- und Referenzlebensmittels unerlässlich. Die weitgehende Kenntnis der stofflichen Zusammensetzung ist für solche toxikologischen Untersuchungen eine Voraussetzung. Das Testlebensmittel kann in der Regel nicht in hinreichenden Mengen zur Standarddiät zugemischt werden. Leicht kann es zu Ernährungsimbalanzen kommen und Effekte sind nicht auf das Testlebensmittel zurückzuführen, sondern sind eher ernährungsbedingt. Akute Effekte lassen sich kaum erzeugen. Aufgrund der Vielzahl der Komponenten werden sehr viele Stoffwechselwege beeinflusst und die beobachteten Effekte lassen sich selten tatsächlich auf das Testlebensmittel zurückführen.

 

» Lesen Sie den ganzen Artikel in der aktuellen Ausgabe der Deutschen Lebensmittel-Rundschau